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Turmstipendium Geldern 2016

Tondo

Katrin Roeber ist von Düsseldorf nach Geldern gekommen. Für das Turmstipendium hat die Malerin die Natur rund um den Wasserturm entdeckt und in vielen Gemälden festgehalten. Sie hat sich in Geldern für das Rundformat, das Tondo entschieden. Die Rundform entspricht dem Grundriss des Turms und fügt sich gut ein in den Ausstellungsraum mit den gerundeten hohen Wänden. Außerdem ist das Tondo eine weit verbreitete Form in der Malerei und Architektur, hier besonders eingesetzt zur Fassadengestaltung. Aber auch große Innenräume können seit der Antike mit Tondi gestaltet sein. In der bildenden Kunst kann das Tondo eine Malerei sein, aber auch ein Relief. Mit der Wahl des Formats stellt sich die Künstlerin in die Tradition der abendländischen Malerei.

Die Künstlerin setzte sich während des Turmstipendiums zu Beginn eher mit gegenständlicher Malerei mit Motiven aus der unmittelbaren Umgebung des Turms auseinander, wobei dies nicht bedeutet, dass ein naturgetreuer und unmittelbar wiedererkennbarer Ausschnitt der Wirklichkeit in ihren Gemälden erscheint. Vielmehr sind es kleine versteckte Ecken, Pflanzen, Blumen und Vegetation, die sie zur malerischen Umsetzung anregen und in dem Format des Tondos zu einem neuen komprimierten Ausdruck finden. Es macht beinahe den Eindruck, dass es ein Blick mit der Lupe oder einer anderen Linse auf die Natur ist, die aber auch mit anderen Dingen in Zusammenhang gebracht werden, wie zum Beispiel einem Notenschlüssel. Auch Abrieb, Stempel oder Abdrücke dieser gesehenen Natur erscheinen im Bild neben der kräftigen und farblich intensiven Malerei. So machen die Bilder oft den Eindruck, dass sie aus mehreren Ebenen bestehen beziehungsweise mehrere Ebenen der sichtbaren Welt miteinander verwoben sind. Die versteckten Ecken haben ihren besonderen Reiz und neben den Pflanzen erscheinen auch schon mal ein Stück eines Bilderrahmens oder andere Reste früherer Turmstipendiaten.
Katrin Roeber verwendet in ihrer Malerei kräftige Farben und wählt oft Farbklänge, die den Gemälden eine intensive Lebendigkeit verleihen und über Farbkontraste in Spannung versetzen. Es ist eine deutlich expressive Malerei, die emotional berührt und den Blick auf das Schöne um uns herum lenkt. Das Mittel der Frottage verstärkt den Eindruck der Authentizität des Gemalten mit dem Gesehenen. Es bezeugt quasi die reale Anwesenheit der Künstlerin und die Realität des Gesehenen, zumindest in dem Moment, in dem die Künstlerin sie gesehen und erfasst hat. Veränderungen ergeben sich beinahe automatisch im künstlerischen Gestaltungsprozess. Zeigt der Abrieb die Struktur des abgeriebenen, so zeigt der Duktus seine malerische Lebhaftigkeit in zum Teil kräftigen Pinselstrichen. Spiegelungen und Strukturen bilden einen beruhigenden Kontrapunkt.

Bei manchen Bildern wird dann über die farbige Landschaft noch eine Bildebene gelegt, die sich aus hellen Objekten und Formen bildet. Hier werden in einem hellen Weiß Zeichen getupft und gepinselt. Sie bilden Äste, Kreise, Blüten und andere Formen.

Die Künstlerin holt die Dinge für den Betrachter ganz nah heran und verdichtet das Gesehene im Bild. Es geht ihr nicht um Landschaftsbilder, die perspektivisch einen Überblick über einen größeren Landschaftsausschnitt geben, vielmehr das Kleine und Versteckte wird bildwürdig und dem Betrachter vor das Auge gebracht. Mit der künstlerischen Umsetzung schafft die Künstlerin neue Wirklichkeiten und Sichtweisen, die die Wahrnehmung immer wieder auch hinterfragen und zu Neuem anregen.

Annette Theyhsen
Oktober 2016



Ausstellungsansicht im Turm, Foto: Kruijsen Foto Design /NL



Ausstellungsansicht im Turm, Foto: Kruijsen Foto Design /NL



Panoramaansicht im Turm, Foto: Kruijsen Foto Design /NL



Tondo I, Öl auf Leinwand, Durchmesser 100 cm



Tondo II, Foto: Kruijsen Foto Design /NL



Tondo III, Foto: Kruijsen Foto Design /NL



Bauwagen, Acryl auf Holz, 20 cm x 30 cm



Daecher, Acryl auf Holz, 20 cm x 30 cm



Tor, Acryl auf Holz, 20 cm x 30 cm



Fahne, Acryl auf Holz, 20 cm x 30 cm



Katalog 17. Turmstipendium, Geldern 2016